Daily Facebook

Facebook - Kais Kolumne

Ich bin viel in sozialen Netzwerken – vorwiegend Facebook – unterwegs. Was früher reine Unterhaltung zwischen Freunden und Bekannten war, ist heute richtige Arbeit!

Aufräumen

Erstmal feucht durchwischen. Relikte alter Bekanntschaften die mich mit rechtem Gedankengut penetrieren kommen in die braune Tonne:

„Ich bin kein Nazzi, aber dass ist Krass!!! zuhause nur ne lemhütte und hier ein auf Dick mache“

Darunter ein Bild einer offenbar syrischen Familie mit dem Text „Flüchtlingsfamilie bekommt 5400 Euro Harz4“. Sonst nix. Der Bekannte hat das geteilt von einem Eckhardt O. (Profilbild mit angedeuteten Hitlergruß). Ich korrigiere seinen Satz in einem Kommentar – die einen nennen es Klugscheißen, ich nenne es Weiterbildungsmaßnahme – mache ihn noch darauf aufmerksam, dass er die Intelligenz eines nassen Stück Brotes besitzt und verbanne Ihn anschließend aus der Freundesliste.

Lokale Gruppen

Ich informiere mich über den aktuell angesagtesten Friseur, finde heraus woher die nächtlichen Knallgeräusche kamen, folge einer Debatte über den besten Döner (Damla, warum wird das noch diskutiert?) und lese die Kommentare unter den Postings unseres Bürgermeisters. Aktuell geht es um die den Zustand des hiesigen Stadtsees, aber die motivierten Gruppenmitglieder landen innerhalb von vier Kommentaren bei der Flüchtlingskrise. Passend zum Thema Pappelsee kommentiere ich mit „Damla ist der beste Döner, verdammt nochmal!“ und klicke mich weiter durch.

Markierungen

Man hat mich markiert. Ein Foto eines Straßenschilds mit der Aufschrift „Promilleweg“. Gnihihi. Anlässlich jüngster Ereignisse (Ich berichtete) eine berechtigte Markierung.

Werbung

Nichts sagt mehr über dich aus, als die Werbenachrichten die dir angezeigt werden. Ich sehe Banner von Google Adwords, Fortbildungen im Online-Marketing, eine Werbeanzeige für Adidas Superstars, eine DVD-Werbung: He-Man and the Masters of the Universe – die komplette Serie, eine Veranstaltungswerbung für ein Volbeat-Konzert und eine für eine Tattoo-Con.
Fazit: Ich bin ein Geek-Nerd-Rocker…oder so.

Mitlesen

Das kostet am meisten Kraft. Die deutsche Sprache wird hier mehr gemobbt als ein pickeliger Junge mit Überbiss. Für eine häufigere Verwendung des Wortes „als“! Bitte ersetzt dabei das „wie“ komplett! Nicht hinzufügen! „Als wie“ ist immer noch kacke! Das nur als Beispiel. Die generelle Satzzeichenallgerie scheint eine ansteckende Krankheit bei Facebook zu sein. Ich bin sicher kein Germanistikstudent und meine Sprache ist geprägt von „Platt & Pott“, aber es reicht das man das hört – lesen könne muss man das nicht. Der kleine Duden sitzt in der Ecke und weint: er wurde von der „Schreiben-nach-Gehör“-Methode verhauen!

So vergehen schonmal eine bis zwei Stündchen. Ohne was getan zu haben bin ich völlig fertig vom Wechselbad der Gefühle. Ich gehe jetzt einen Deutschlehrer streicheln. Und irgendwie habe ich Lust auf einen Döner. Kann einer einen empfehlen? 😉

 

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