Game of Straßenverkehrsamt

strassenverkehrsamt

So ein Behördengang fühlt sich an wie das Vormittagsprogramm des ARD in Dauerschleife. Minuten werden zu gefühlten Stunden. Wenn man dann noch gezwungen wird neben einem Typen zu sitzen dessen Passion das intensive Schwitzen auf Hochleistungsniveau ist, gibt das dem qualvollen Umstand noch eine besondere Würze. Aber dazu komme ich später.

7:44 Uhr: Ich treffe in gewohnter Pünktlichkeit eine Minute vor meinem Termin im Straßenverkehrsamt ein. Zwei sichtlich unterkoffenierte Damen sitzen an  dem Empfangsschaltern, eine davon war schon mit einem Patienten zugange. Ich also frohen Mutes in Richtung Schalter zwei. Knappe zwei Meter vor meinem Ziel dreht sich Dornrösschen um und begrüßt eine dritte Kollegin, welche mir kurz mit einem grenzdebilen Grinsen Ihre Freude über den Sieg um die Aufmerksamkeit mitteilt. Gut, denke ich, einem wichtigen Kick-Off Gespräch möchte ich nicht im Wege stehen und halte den angemessenen Diskretionsabstand ein.

Lady Ingeborg von Schalter 19

Die dritte Kollegin, nennen wir sie mal Ingeborg, hat deutlich weniger Restblut im Kaffee. Ihr Flüstermodus ist dadurch massiv gestört, so dass ich jedem Wort lauschen konnte: „Wie heftig war das bitte, dass [**Game of Thrones Spoiler**] gestorben ist – Ich hatte einen richtigen Kloß im Hals“. Die Antwort der halbsedierten Schalterdame kann ich nicht hören, ihr Gesichtsaudruck verrät aber, dass sie ebenso betroffen ist. Der Halb-Monolog setzt sich noch ganze vier Minuten fort. Ich denke darüber nach ein brennendes Taschentuch auf Ingeborg zu schmeissen und „DRACARYS“ zu brüllen, entschließe mich aber zu weniger drastischen Maßnahmen. Ein dezentes Räuspern muss genügen.

Der Schweiß

Die Wirkung setze ein. Ingeborg wirft mir einen kurzen aber scharfen Blick zu und wendet sich ab. Dornrößchen widmet sich nun meinem Anliegen und schickt mich mit einem Nummerzettel in den Wartebereich. 749. Aktuell sind sieben Schalter besetzt und es werden die Nummern 738 bis 745 verarztet. Ich setze mich in eine komplett leere Reihe und starre die Tafel an. Nach zehn Minuten verabschieden sich vier von sieben Versorgungsstellen in die wohl verdiente acht Uhr Kaffeepause. Mir tropft das Blut aus den Augen, aber aufregen bringt ja nichts. Der nächste Kunde, welcher auffallend schnell abgearbeitet wurde, kündigt sein Erscheinen im Wartebreich nasal an. Ein Mann mittleren Alters, überzogen von Schweiß älteren Alters. Ich weiß nicht ob es an meiner anziehenden Art liegt, aber die halbmenschliche Biowaffe fühlt sich genötigt direkt neben mir Platz zunehmen. Sein Geruch muss Einfluß auf die Raum-Zeit-Krümmung haben, denn ab dann wurden die Minuten noch deutlich länger.

Nachdem ich Einsteins Relativitätstheorie optimiert, die Fliesen im Wartebereich gezählt und die Namen aller Star Trek Protagonisten nach dem klingonischen Alphabeth sortiert habe, blinkte auch schon meine Nummer auf. Platz acht. Die Dame begrüßt mich kurz, nennt mein Anliegen selbstständig, nimmt mir die Mappe mit den Fahrzeugunterlagen aus der Hand und fängt sofort an zu tippen. Irgendwo auf den zehn Metern zwischen Wartebereich und Platz acht muss die Raum-Zeit-Krümmung gegenläufig verlaufen. Als wäre man vom langsamen Walzer ins Hakken gewechselt. Ich summe den New Kidz Soundrack und warte bis Speedy Gonzalita fertig wird.

„Damit gehen Sie bitte an Schalter 19“. Ich bedanke mich artig und mache mich auf den Weg. Schalter 19 wird gerade neu besetzt – von Ingeborg.

„Ihr seid die also die Königin des Schalters, Lady Ingeborg?“ Ich frage mich ob ich das laut gesagt habe. „Schilder bitte“ erhalte ich als Antwort. Oder als Begrüßung. Man weiß es nicht.

Nachdem die Holde ihr Werk vollendet hat, begebe ich mich Richtung Ausgang. Ich frage mich, was meine Frau und meine Tochter in all den Jahren die ich nun weg war gemacht haben. Ich hätte schwören können, dass meine Haare noch schwarz waren als ich das Amt betrat.

Aber am Ende ist alles gut. Das Auto ist angemeldet, das Sondereinheit für Biowaffen fährt auf den Parkplatz und Ingeborg schlürft zufrieden Kaffee aus der Game of Thrones Tasse. Happy Inge, happy End.

RSS
Facebook
Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere